Interview mit Thomas

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Menschen

1. Wie lange bist du schon ein Teil von Boris‘ Shalagemeinschaft?

Ich bin seit Anfang 2016 dabei, also schon über zwei Jahre.

 

2. Wie bist du zum Ashtanga Yoga gekommen, und warum hast du dich dafür entschieden?

Dass ich zum Ashtanga Yoga kam, war absoluter Zufall, ich glaube manchmal, dass mich irgendwas da hingeführt hat, weil ich das zu diesem Zeitpunkt einfach gebraucht habe. Ich hatte zuvor einen MBSR-Kurs gemacht, der ebenfalls einen Yoga-Anteil enthielt und hatte mal wieder Lust bekommen, Yoga zu machen. Irgendwo bin ich über ein Plakat für das Angebot in der alten Yoga-Shala gestolpert, das für mich perfekt passte, weil es gerade ums Eck war. Und aus dem umfangreichen Yoga-Angebot habe ich mich dann für eine Ashtanga-Probestunde entschieden, was mir zu diesem Zeitpunkt gar nichts sagte. Ich war dann vom ersten Moment total begeistert und bin aus der Probestunde heraus relativ schnell in eine regelmäßige Praxis übergegangen.

 

3. Wie sieht deine momentane Routine aus?

Ich praktiziere die 1. Serie, normalerweise fünf Mal pro Woche, eigentlich fast immer morgens oder im Laufe des Vormittags, soweit es mein Terminplan zulässt. Neben der Led-Class am Samstag heißt das i. d. R. zweimal in der Shala und zweimal zu Hause. Ich persönlich finde, dass beide Varianten ihre schönen Seiten haben: In der Shala genieße ich die Energie des gemeinsamen Praktizierens und die Unterstützung durch Boris. Zuhause dagegen die Stille und die Möglichkeit, ungestört ganz bei mir zu sein, gerade wenn ich früh morgens praktiziere, im Winter noch im Dunkeln und bei Kerzenlicht.
Ich habe aber auch großes Interesse an der Yoga-Philosophie, habe schon viel in den Yoga Sutras gelesen und mag auch das Chanten sehr gerne.

 

4. Hast du schon andere Yoga-Stile versucht? Worin siehst du für dich die Stärken / Vorteile der Ashtanga Yoga Mysore Methode?

Ich habe seit vielen Jahren immer wieder Anläufe mit Hatha Yoga genommen, da ich eigentlich gerne Yoga machen wollte. Letztlich habe ich es aber nie geschafft, mir eine eigene Praxis aufzubauen, weil ich aus dem Frontalunterricht für mich nichts mitnehmen konnte, was ich selbst hätte reproduzieren können. Dann ist das meistens auch schnell wieder eingeschlafen.
Und genau hier sehe ich auch eine der Stärken, die mich gleich vom Ashtanga überzeugt hat: Dadurch, dass klare Serien und Asana-Abfolgen vorgegeben sind, kann ich über die ständige Wiederholung im Mysore-Unterricht schnell eine eigene Praxis aufbauen und sukzessive erweitern, und ich kann auch zuhause oder im Hotel auf Geschäftsreisen jederzeit für mich üben.
Vor allem schätze ich aber die Dynamik im Ashtanga Yoga, die Fokussierung auf den Atem, die Bandhas und die Drishtis, die mich in einen „Flow“ führen, was mir hilft, die Affen in meinem Kopf zu bändigen und mich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Mich unterstützen diese körperlichen Aspekte sehr, in die Meditation und in die Ruhe zu kommen.

 

5. Worin siehst du deine persönlichen Stärken und Schwächen beim Üben?

Meine Stärke ist sicher mein Durchhaltevermögen bzw. meine Disziplin, die dazu führt, dass ich z. B. selbst unter widrigen Umständen auf Geschäftsreisen in engen Hotelzimmern frühmorgens versuche, meine Praxis durchzuführen. Dies hat sicherlich dazu beigetragen, dass ich trotz meines Alters und gewisser körperlicher Begrenzungen eine aus meiner Sicht gute und wohltuende Praxis entwickeln konnte.
Als Schwäche empfinde ich vor allem, dass ich mich während meiner Praxis immer wieder davon ablenken lasse, dass ich bestimmte Asanas nicht oder nicht richtig ausführen kann, weil mein Körper nicht flexibel genug ist und ich anfange, darüber nachzudenken bzw. mich dafür zu bewerten.

 

6. Fiel es dir leicht mit Ashtanga Yoga zu beginnen? Was sind deine persönlichen Schwierigkeiten und Herausforderungen?

Ja und nein. Es fiel mir leicht, weil mich Ashtanga Yoga von Anfang an fasziniert hat und ich gespürt habe, dass das genau das Richtige für mich ist – da bin ich einfach drangeblieben und habe sehr schnell auch versucht, zuhause zu üben, nicht nur in der Shala.
Am Anfang habe ich allerdings auch sehr damit gekämpft, dass meinem Eindruck nach um mich herum alle viel jünger und wesentlich flexibler waren als ich und ich manchmal das Gefühl hatte, hier völlig fehl am Platz zu sein. Das hat sich aber schnell gelegt, weil ich gespürt habe, dass in der Shala wirklich JEDER willkommen ist, der diese wunderschöne Praxis erlernen möchte und bereit ist, dranzubleiben.
Für mich war – und ist es manchmal noch immer – schwierig zu akzeptieren, dass mein Körper mit fast 50 Jahren, nach vielen Jahren Computerarbeit im Büro und einer langen Vorgeschichte als Marathonläufer einfach schon unbeweglicher ist als das vor 20 Jahren wahrscheinlich der Fall gewesen wäre. Das bringt im Hinblick auf Yoga sicherlich gewisse körperliche Begrenzungen mit sich, die sich vermutlich auch nicht mehr vollständig „beheben“ lassen. Aber ist das schlimm?
Für mich ist das gleichzeitig auch ein ganz zentrales Lernfeld, sich in Selbstakzeptanz zu üben, mit dem eigenen Körper achtsam umzugehen und ihn nicht zu verletzen (Ahimsa als Teil der Yamas).
Was bringt es, den Nachbarn oder die Nachbarin auf der Matte zu beneiden, der/die superflexibel ist, dafür aber vielleicht mit ganz anderen Problemen kämpft?

 

7. Hast du momentan einen bestimmten Fokus beim Üben, eine spezielle „Baustelle“ an der du arbeitest?

Mein großes Thema ist die Hüftöffnung, wo ich sehr unbeweglich bin. Hier versuche ich auch durch zusätzliche Übungen außerhalb der regulären Asana-Praxis zusätzlich zu unterstützen.

 

8. Was hat sich durch Ashtanga für dich verändert? Was bedeutet dir das Üben?

Das Üben ist für mich zu einem wichtigen Teil meines Tagesablaufs geworden, der mir sofort fehlt, wenn ich aus irgendeinem Grund nicht dazu komme. Letztes Endes liegt es an dem, was in den anderen Antworten schon zum Ausdruck kam: Ashtanga Yoga ist für mich Meditation in Bewegung. Es tut nicht nur meinem Körper gut, der dadurch kräftiger und flexibler wird, sondern führt vor allem meinen Geist in die Ruhe. Und das ist extrem wohltuend!
Auf der körperlichen Ebene macht sich das z. B. dadurch bemerkbar, dass all die Probleme rund um meine Wirbelsäule, die mich vorher regelmäßig zum Orthopäden geführt haben, weitgehend verschwunden sind.
Und auf der geistigen Ebene bin ich viel ruhiger geworden, lebe mehr im Moment, kann akzeptieren, was passiert und identifiziere mich nicht mehr so stark mit dem Außen. Der Fokus hat sich verschoben, ich bin heute mehr Beobachter, statt ständig emotional verwickelt zu sein. Und das hat sich meines Erachtens auch in der Qualität der Beziehungen zu den Menschen in meinem Umfeld ausgewirkt.

 

9. Möchtest du sonst noch etwas loswerden, zur Praxis, zur Shala, zur Gemeinschaft?

Aus meiner Sicht ist es wichtig, sich im Yoga generell von den Bildern zu lösen, die speziell über Social Media ständig verbreitet werden und die viele im Kopf haben. Klar werden manche mit den entsprechenden körperlichen Voraussetzungen und der entsprechenden Praxis irgendwann dahin kommen, irgendwelche phantasievollen Asanas zu machen. Aber ist das das Ziel?
Yoga ist für mich viel mehr als das und das sollte man sich als „Normalsterblicher“ bewusst machen: Viel wichtiger ist doch, dass ich mich mit dem, was ich kann und was ich tue und mit meinem Körper wohlfühle, dass mein Geist zur Ruhe kommt und ich insgesamt spüre, dass mir das gut tut. Da ist es letztlich doch völlig egal, ob ich „nur“ in der ersten Serie unterwegs bin und manches Asana vielleicht auch nur in einer Variation mache.
Ich bin froh, dass Boris meinem Eindruck nach seine Shala nach diesem Grundsatz versteht und das auch immer wieder so vermittelt. Auch unter den Yogis empfinde ich hier keine Konkurrenz, sondern jeder wird so akzeptiert, wie er ist.
Darum fühle ich persönlich mich in der Shala bei Boris und in der Community dort sehr wohl und gut aufgehoben!

 

 

 

Diesen Beitrag Teilen?

"Ich war dann vom ersten Moment total begeistert und bin aus der Probestunde heraus relativ schnell in eine regelmäßige Praxis übergegangen."

 

"Ich praktiziere die 1. Serie, normalerweise fünf Mal pro Woche, eigentlich fast immer morgens oder im Laufe des Vormittags, soweit es mein Terminplan zulässt."

 

"In der Shala genieße ich die Energie des gemeinsamen Praktizierens und die Unterstützung durch Boris. Zuhause dagegen die Stille und die Möglichkeit, ungestört ganz bei mir zu sein."

 

"Dadurch, dass klare Serien und Asana-Abfolgen vorgegeben sind, kann ich über die ständige Wiederholung im Mysore-Unterricht schnell eine eigene Praxis aufbauen und sukzessive erweitern, und ich kann auch zuhause oder im Hotel auf Geschäftsreisen jederzeit für mich üben."

 

"Am Anfang habe ich damit gekämpft, dass meinem Eindruck nach alle viel jünger und wesentlich flexibler waren als ich. Das hat sich aber schnell gelegt, weil ich gespürt habe, dass in der Shala wirklich JEDER willkommen ist, der diese wunderschöne Praxis erlernen möchte und bereit ist, dranzubleiben.

 

"Für mich ist das gleichzeitig auch ein ganz zentrales Lernfeld, sich in Selbstakzeptanz zu üben, mit dem eigenen Körper achtsam umzugehen und ihn nicht zu verletzen."

 

"Ashtanga Yoga ist für mich Meditation in Bewegung. Es tut nicht nur meinem Körper gut, der dadurch kräftiger und flexibler wird, sondern führt vor allem meinen Geist in die Ruhe. Und das ist extrem wohltuend!"

 

"Auf der körperlichen Ebene macht sich das z. B. dadurch bemerkbar, dass all die Probleme rund um meine Wirbelsäule, die mich vorher regelmäßig zum Orthopäden geführt haben, weitgehend verschwunden sind."