Interview mit Vivien

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1. Wie lange bist du schon ein Teil von Boris‘ Shalagemeinschaft?

Seit ziemlich genau einem Jahr, ich feiere im Mai sozusagen mein Ashtangiversary 🙂 .

 

2. Wie bist du zum Ashtanga Yoga gekommen, und warum hast du dich dafür entschieden?

Ich hatte erstmal nur „irgendwie Bock auf Yoga“, und eigentlich war die Tür zur Shala schon offen, lange bevor ich dafür überhaupt bereit war. Ich hatte riesige Zweifel: „Ashtanga, da sind die doch alle viel krasser drauf als ich.“ Aber die Neugier war größer, und deshalb habe ich mich irgendwann in meinem Fitnessstudio getraut, eine Ashtangastunde zu versuchen. Ich war selber überrascht, festzustellen: das funktioniert ja, das trifft bei mir einen Nerv. Ich bin dieser Lehrerin dafür sehr dankbar. Die Hemmschwelle war weg, und ich habe ich mich in der Shala angemeldet. Dass ich beim Ashtanga gelandet bin, war also total random- und dann auch wieder nicht.

 

3. Wie sieht deine momentane Routine aus?

Im Moment sehe ich für mich die Vorteile in der Morgenpraxis- aber wer weiß, ob es so bleibt. Die Öffnungszeiten lassen mir da ja glücklicherweise genügend Luft, und mein Körper zeigt mir auch manchmal einfach, dass er Pausen braucht. Ich übe die erste Serie noch nicht vollständig durch, aber ich hab da auch keine Eile.. ein bisschen wie bei einem guten Buch, dass man nicht zuende lesen will 🙂 . Zu 99% übe ich in der Shala, auch wenn kein Unterricht stattfindet. Mein Fixpunkt in der Woche ist aber sicherlich noch die Led Class, denn aufs erste „Ekam, inhale“ legt es in meinem Kopf einen Schalter um, und die Konzentration ist da. Außerdem ist es auch etwas besonderes, wenn sich einmal alle synchron bewegen, im Mysore Unterricht bleibt ja sonst jeder im eigenen Rhythmus.

 

4. Hast du schon andere Yoga-Stile versucht? Worin siehst du für dich die Stärken / Vorteile der Ashtanga Yoga Mysore Methode?

Ich schätze, der Vorteil von Mysore Unterricht ist die uralte Strategie, über eine direkte und sehr individuelle Lehre zu einer Selbstständigkeit und Unabhängigkeit in der eigenen Yoga-Praxis geführt zu werden. Es klingt paradox, aber es funktioniert. Jeder Mensch ist von Kopf bis Fuß einzigartig, und wird durch ganz eigene Beweggründe auf die Matte geführt. Im Ashtanga Mysore Unterricht wird das respektiert, der Druck wird rausgenommen. Die Yogapraxis in sich ist individuell, also muss es auch ihre Lehre sein. Was mir am besten gefällt, ist die Dynamik: im Ashtanga verbinden sich Atemrhythmus, körperliche Anstrengung und mentaler Fokus. Durch die (körperliche) Anspannung zur Entspannung (und zur mentalen Klarheit), sozusagen.

 

5. Worin siehst du deine persönlichen Stärken und Schwächen beim Üben?

Meine Stärke ist, dass ich mich ganz gut hinter etwas klemmen kann, wenn ich dafür brenne. Zu früh, zu spät, zu kalt, zu nass, zu stressig? Ich radle meistens trotzdem in die Shala, wenn ich es mir in den Kopf gesetzt habe. Für die kurze Zeit, die ich jetzt dabei bin, finde ich das gut. Was auch immer gerade so abgeht- ich arbeite mich durch die Praxis und meistens gehe ich um einiges ruhiger und sortierter heraus. Manchmal fällt es mir jedoch auch schwer, mich zu bremsen. Rug burn, blaue Flecken, ein schmerzendes Handgelenk? Nicht sehr yogihaft. Eine weitere große Herausforderung ist der Fokus. Im Ashtanga arbeiten wir mit Blickpunkten (Drishtis), um unsere Aufmerksamkeit zu bündeln. Man könnte meinen, ein Kopfstand sei schwierig, aber manchmal ist es echt harte Arbeit, einfach nur für fünf tiefe Atemzüge lang auf seinen Fuß zu gucken. Albern, oder? Probiers mal aus.

 

6. Fiel es dir leicht mit Ashtanga Yoga zu beginnen? Was sind deine persönlichen Schwierigkeiten und Herausforderungen?

Wie schon erwähnt, die größte Hürde war die mentale, also meine unnötigen Befürchtungen. Mein Körper ist eher groß, schmal und langgliedrig, ich habe deshalb in manchen Asanas der ersten Serie sogar einen kleinen Startvorteil, was aber nicht bedeutet, dass ich tatsächlich besonders flexibel bin. Eher im Gegenteil: der erste Sonnengruß jeder Praxis fühlt sich fast immer an, als sei er der allererste überhaupt. Ich denke darüber nichtmehr nach 🙂 .

 

7. Hast du momentan einen bestimmten Fokus beim Üben, eine spezielle „Baustelle“ an der du arbeitest?

Ich denke, ein großes Thema sind für mich Asanas, die Schulterflexibilität fördern, und in denen sich die Vorderseite des Körpers öffnet (backbends). Das ist für mich schwierig und anstrengend, und sicherlich gibt es auch einen Zusammenhang zwischen dem körperlichen Einsatz und einem mentalen Muster, das man überwindet. Das wird mich noch lange begleiten! Außerdem möchte ich mir gerne eine Meditationspraxis aufbauen, das fände ich schön.

 

8. Was hat sich durch Ashtanga für dich verändert? Was bedeutet dir das Üben?

Also, abgesehen von definierteren Oberarmen? 🙂 Es kann ein richtiges Schlüsselerlebnis sein, sich mit dem Körper zu bewegen, statt gegen ihn anzukämpfen. Ich wünsche mir, dass das vor allem mehr Frauen erkennen können, denn die Asanapraxis kultiviert eine sehr aufrichtige Beziehung zum eigenen Körper. Mit dem Üben und der Ashtanga Routine kam für mich außerdem ein Bewusstsein für meinen Tagesrhythmus und für meine Prioritäten, das es vorher zwischen Studium und unterschiedlichen Nebenjobs nicht so ausgeprägt gab. Für mich als kleines Fräulein Luftikus ist das auf jeden Fall ein Gewinn! Was durch das Üben angestoßen wird, geht also auf jeden Fall außerhalb der Matte weiter.

 

9. Möchtest du sonst noch etwas loswerden, zur Praxis, zur Shala, zur Gemeinschaft?

Meine neueste Erkenntnis war: Am Ende verleiht dir niemand eine Medaille, weil du deinen Hintern diese Woche sechsmal auf die Matte geschwungen hast- auf diesen zwei Quadratmetern Gummi kann und soll man sogar manchmal sehr alleine sein. Trotzdem wäre es nicht das gleiche ohne die Shala, ohne die Lehrer*innen und ohne alle anderen im Raum. Danke dafür.

 

 

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"Ich war selber überrascht, festzustellen: das funktioniert ja, das trifft bei mir einen Nerv. Die Hemmschwelle war weg, und ich habe ich mich in der Shala angemeldet."

 

"Ich übe die erste Serie noch nicht vollständig durch, aber ich hab da auch keine Eile... ein bisschen wie bei einem guten Buch, dass man nicht zu Ende lesen will :)"

 

"Jeder Mensch ist von Kopf bis Fuß einzigartig, und wird durch ganz eigene Beweggründe auf die Matte geführt. Im Ashtanga Mysore Unterricht wird das respektiert, der Druck wird rausgenommen. Was mir am besten gefällt, ist aber die Dynamik."

 

"die größte Hürde war die mentale"

 

"Es kann ein richtiges Schlüsselerlebnis sein, sich mit dem Körper zu bewegen, statt gegen ihn anzukämpfen. Ich wünsche mir, dass das vor allem mehr Frauen erkennen können, denn die Asanapraxis kultiviert eine sehr aufrichtige Beziehung zum eigenen Körper."

 

"Mit dem Üben und der Ashtanga Routine kam für mich außerdem ein Bewusstsein für meinen Tagesrhythmus und für meine Prioritäten."

 

"Am Ende verleiht dir niemand eine Medaille, weil du deinen Hintern diese Woche sechsmal auf die Matte geschwungen hast - auf diesen zwei Quadratmetern Gummi kann und soll man sogar manchmal sehr alleine sein. Trotzdem wäre es nicht das gleiche ohne die Shala, ohne die Lehrer*innen, und ohne alle anderen im Raum."

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